Jump Force – Test

Publisher: Bandai Namco
Release Date: 15.02.2019
Plattformen: PS4, XBox One, PC

Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens schnappt sich das Anime-Magazin Weekly Shōnen Jump einen großen Batzen seiner beliebtesten Figuren und wirft sie zusammen in die Arena. Gon aus Hunter X Hunter, Gaara aus Naruto oder auch Yugi Moto aus Yu-Gi-Oh! hauen sich in diesem Beat-’em-up gegenseitig die guten Manieren aus dem Leib. Zusätzlich zu dem relativ komplexen Kampfsystem besticht das Spiel von Spike Chunsoft mit einer großen Anzahl an spielbaren Figuren, einem soliden Charaktereditor und visuell höchst beeindruckenden Effekten.

Als Vegeta sich verwandelt und sein volles Potenzial entfesselt, war der Kampf, zumindest in meinem Kopf, schon gewonnen. Doch dann ist etwas äußerst Merkwürdiges passiert. Son Gokus ewiger Rivale wird frontal von einer Rakete getroffen und kurze Zeit später von einem italienischen Kleinwagen angefahren. Durch die Wucht des Zusammenpralls wird der Prinz der Saiyajin mehrere Meter in die Luft geschleudert, zusammen mit einigen höchst explosiven Fässern, von denen ich hätte schwören können, dass sie zuvor noch nicht da waren.

Aus dem Miniaturauto steigt Ryo Saeba aus, der City Hunter, der mit ein paar gut gezielten Schüssen dafür sorgt, dass Vegeta in einer gigantischen Explosion zugrunde geht. Wieder einmal hat sich die Waagschale zu meinen Ungunsten geneigt und in einem unübersichtlichen Effektgewitter mein frühes Ende herbeigeführt. Hätte ich doch nur rechtzeitig zu Killua aus Hunter X Hunter gewechselt und mit göttlicher Geschwindigkeit pariert …

Happy Birthday, Shōnen Jump!

Was wie ein recht krudes Crossover der Marke Fanfiction anmutet, ist in Wirklichkeit Teil der Geburtstagsparty des größten Manga-Magazins der Welt. Die Weekly Shōnen Jump wird 50 Jahre alt und feiert ihr Bestehen mit einem Prügelspiel, das viele ihrer ikonischen Figuren in einen Topf wirft und im Endlostakt gegeneinander antreten lässt. Wer sich also je gefragt hat, wer in einem Kampf zwischen Himura Kenshin und Roronoa Zoro den Kürzeren ziehen würde, bekommt in Jump Force endlich eine Antwort.

40 spielbare Charaktere aus 14 verschiedenen Anime stehen zur Verfügung. Zusätzlich hat Dragon-Ball-Zeichner Akira Tooriyama eigens für dieses Spiel vier neue Figuren entworfen und Light Yagami sowie Ryuk aus Death Note laufen euch ebenfalls über den Weg, wenn auch nicht als wählbare Kämpfer. Auf den ersten Blick scheint mit Jump Force also der Traum eines jeden Animefans in Erfüllung zu gehen. Für solche, die einfach nur kurz eine Runde zocken wollen, kann der Prügler aber auch ganz schnell zum Albtraum werden.

Taktik, bitte

Habt ihr keine Vorerfahrung mit Spielen dieser Art, also weder Dragon Ball Xenoverse noch Naruto Ninja Storm je gespielt, wirken die ersten Kämpfe in Jump Force wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Unwissend, was ihr da eigentlich tut, und mit einem Gegner, der Gnade nicht in seiner Programmierung finden kann, seid ihr dazu verdammt, eine ordentliche Abreibung zu kassieren. Und selbst wenn ihr gewinnt, liegt das meist eher am Anfängerglück als an allem anderen. Na ja, vielleicht auch an der recht wankelmütigen KI.

Ihr dürft Spike Chunsofts neuesten Titel nicht wie klassische Prügler angehen, sondern müsst ein wenig um die Ecke und im Voraus denken. Hier geht es darum, mehrere Balken auf dem Bildschirm im Auge zu behalten, sich konstant vor den Attacken des Gegners zu schützen beziehungsweise diese zu blocken und jede Lücke auszunutzen, die ihr finden könnt.

Dafür stehen euch pro Auseinandersetzung drei Krieger zur Verfügung, die sich einen gemeinsamen Lebensbalken teilen. Ihr könnt sie per Knopfdruck mitten im Kampf einwechseln oder sie nutzen, um kurzzeitig Unterstützung zu erhalten. Das Gleiche gilt natürlich für euren Gegner. Entsprechend ist es ab einem gewissen Punkt im Spiel notwendig, die Dreierteams so auszuwählen, dass sich die Figuren gegenseitig ergänzen und Schwächen des jeweils anderen ausgleichen.

Das Grundprinzip sieht vor, dass ihr euch vor Angriffen schützt und selbst Lücken nutzt, um eurem Gegner ein paar kräftige Tritte zu verpassen. Um das zu tun, habt ihr leichte wie schwere Attacken im Repertoire, könnt diese schnell oder langsam aufgeladen vom Stapel lassen und, falls euer Widersacher alle blockt, einen Griff nutzen, um seine Verteidigung zu umgehen. Es geht um Timing, um die richtige Aktion im richtigen Moment.

Zusätzlich kann jede Figur drei mächtige Spezialangriffe auslösen, die je nach Charakter über unterschiedlich viel Kraft und Reichweite verfügen. In der Regel lassen sich auch diese Finisher schlichtweg blocken, weswegen es wichtig ist, den Gegner aus der Reserve zu locken oder seine Abwehr zu durchbrechen. Da dieser genau das Gleiche versucht, wird aus einem actiongeladenen Kampf manchmal ein trauriger Tanz zweier Figuren, die voreinander stehen und abwechselnd attackieren sowie abwehren, ohne je einen Treffer zu landen.

Schafft es der Feind doch einmal, euch ein paar saftige Hiebe zu versetzen, könnt ihr eure Mobilität nutzen, um seiner Schlagkombo zu entkommen. Dieser Dash wird außerdem dazu verwendet, große Strecken in der Arena zu überwinden und dem Kontrahenten direkt in die Arme zu laufen. Auch diese Fähigkeit muss wohlüberlegt eingesetzt werden, denn wer seine Ausdauer zu früh und aggressiv verbraucht, kann sich feindlichen Attacken nicht mehr entziehen und ist ihnen hilflos ausgeliefert.

Wer dieses Spielprinzip einigermaßen beherrscht, ist bereit dafür, in eine noch viel komplexere Welt von Jump Force vorzudringen. Sobald ihr die ersten leichten Kämpfe hinter euch gelassen habt, wird es wichtig, andere Aspekte des Spielprinzips in euer Vorgehen mit einzubeziehen. So gibt es Attacken, die über ein gewisses Element verfügen, und Figuren, die wiederum Resistenzen gegen einige Typen haben.

Ihr könnt den Spezialangriffen Modifikatoren geben, die geringen Einfluss auf das Spielgeschehen haben. So ist es zum Beispiel möglich, einen Feind mit einem Kamehameha zu treffen und dadurch die Regeneration seiner Mobilität einzuschränken. Wer sich also gerne wirklich viele Gedanken macht, bevor er oder sie sich in einen Kampf stürzt, ist in diesem Spiel genau richtig. Falls ihr das nicht wollt, gibt es jedoch die Möglichkeit, unabhängig vom Level eurer selbst erstellten Figur und ohne zusätzliche Modifikationen lokal und online in den Kampf zu ziehen.

Was zur Hölle?

Das größte Problem in Jump Force ist das Effektgewitter. So schön es auch aussieht – und das tut es wirklich –, so kontraproduktiv ist es für die Übersicht im Kampf. Immer wieder wird dieser von einer kurzen bis mittellangen Zwischensequenz unterbrochen. Am Anfang freut man sich über den grimmigen Blick der handelnden Figur, ihrer Attackenankündigung und dem Sturm, der darauf folgt.

Doch nach einer Weile nervt es eigentlich nur noch, vor allem wenn man selbst das Opfer des Angriffs ist. Unfähig, in irgendeiner Weise darauf zu reagieren, wartet man die Katastrophe für die eigene Lebensanzeige ab, hört dem unaufhörlichen Geschrei des Charakters zu und hofft, dass es schnell vorbei ist. Mit etwas Pech folgt direkt die nächste Animation, der Stresspegel steigt, die Lust auf eine kleine Balgerei sinkt.

Da selbst normale Attacken über prunkvolle visuelle Effekte verfügen und es daher auf dem Bildschirm jederzeit bunt zugeht, kann es außerdem recht schwierig sein, die wichtigen Anzeigebalken im Blick zu behalten. Immer wieder wird das Auge abgelenkt und nur wer gegen den Irrsinn auf der Mattscheibe immun geworden ist, hat überhaupt eine Chance, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In Onlinekämpfen und auf höherem Schwierigkeitsgrad ist dies besonders wichtig, weswegen ihr wahrscheinlich mehrere Stunden Training benötigt, um zu bestehen.

Böse Buben mögen Haue

Es ist recht einfach, in Jump Force ein paar schnelle Runden zu spielen, doch merklich schwerer, den Titel wirklich zu beherrschen. Damit ihr es leichter habt und über die Grundregeln hinaus ein Gefühl für das Spiel bekommt, gibt es den Storymodus. Hier lernt ihr die Steuerung kennen und – viel wichtiger – die verschiedenen Fähigkeiten der einzelnen Figuren.

Wer diese nicht kennt, spielt in einem Match mit seinem Glück. Woher weiß ich nämlich sonst, wie groß der Radius von Ruffys Gear 4th ist oder über welche Strecke Sasuke sprinten kann, um mir sein Chidori ins Gesicht zu klatschen? All dies erfahrt ihr in der Kampagne, die über ihre Funktion als Tutorial hinaus wenig Mehrwert bietet.

Wie in solchen Titeln nämlich üblich, ist die Story eine Aneinanderreihung von irrelevanten Gesprächen und an den Haaren herbeigezogenen Begründungen, warum man gegeneinander kämpft. Als Training, um sich nach und nach dem ansteigenden Schwierigkeitsgrad anzupassen und mehr über die Details der Steuerung zu erfahren, ist der Modus gut geeignet, zur Unterhaltung eher weniger.

Grob umschrieben gibt es eine Macht, die Helden in böse Buben verwandelt und Schurken noch etwas gemeiner werden lässt. Um diese wieder zur Besinnung zu bringen und die Welten vor dem großen Antagonisten zu retten, haut ihr allen ordentlich eins auf die Mütze. Vegeta randaliert? Haut ihm auf die Mütze. Gon weiß nicht mehr, wer er ist? Haut ihm auf die Mütze. Ryo Saeba baggert euch an? Ganz genau: Auf die Mütze!

Um das zu tun, entwerft ihr zu Spielbeginn einen eigenen Helden und entscheidet euch, ob dieser dem Grundstil aus Naruto, Dragon Ball oder One Piece folgen soll. Weiter reichenden Einfluss hat dies keinen, doch bestimmt es eure anfänglichen Attacken. Diese könnt ihr nach und nach austauschen und damit so anpassen, dass sie eurem favorisierten Spielstil entsprechen. Mit eurer Spielfigur könnt ihr nicht nur die Kampagne bestreiten, sondern auch reguläre Kämpfe on- wie offline absolvieren.

Schade ist lediglich, dass es ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, den eigenen Charakter zu entwickeln und Attacken, Kostüme und andere ausrüstbare Objekte freizuschalten. Wer mehr als nur ein bisschen herumspielen mag, muss entsprechend bereit sein, über Stunden hinweg zu grinden.

Grafik und der Hub

Die Grafik von Jump Force ist zunächst äußerst gewöhnungsbedürftig. Die 3-D-Modelle der Charaktere wirken in der realistisch angehauchten Welt deplatziert, verfügen über keinerlei Mimik und können meist nur ihren Mund bewegen. Was, ehrlich gesagt, ziemlich bemitleidenswert aussieht. Je näher die Kamera an die Animefigur heranfährt, desto schlimmer sieht das Ganze aus. Außerhalb der Kämpfe (während derer man ohnehin keine Zeit hat, auf Grafikdetails zu achten) sticht dies natürlich besonders hervor.

Besonders fragwürdig ist, dass sich die Entwickler entschieden haben, auf ein klassisches Menü zu verzichten. Die verschiedenen Modi wählt ihr nämlich über ein Hub aus, einen virtuellen Ort, an dem sich eure Figur aufhält, Aufträge annimmt, Läden besucht, die Story vorantreibt et cetera. Dieser Ort ist nicht nur viel zu groß und dadurch stellenweise leer, sondern auch ziemlich unansehnlich.

Die Bewegungen eures Charakters, vor allem die Sprünge, sehen hier beinahe unmenschlich aus. Bekannte Kämpfer stehen einfach nur steif da und Figuren, die speziell für dieses Spiel entwickelt wurden, wirken wie unter Zeitdruck entworfen und eingefügt. Der einzige Grund für diesen Ort scheint der zu sein, anderen Spielern – sofern ihr online seid – beim Herumlaufen zuzusehen.

Sicherlich mag es interessant sein zu sehen, wie Spieler aus aller Welt ihre Charaktere entworfen haben, welche Kleidung sie tragen und welchen Anime sie anscheinend bevorzugen. Doch kann die Masse an Figuren auch zu Problemen führen. Nämlich dann, wenn viele von ihnen an einem Missionsstand stehen und ihr es nur durch längeres Gefummel mit der Kamera schafft, endlich den entsprechenden NPC anzuvisieren, der euch euren nächsten Auftrag zuteilt.

Darüber hinaus ist der Hub alles andere als einsteigerfreundlich. In den ersten Momenten in Jump Force hat es mich einige Zeit gekostet herauszufinden, wo ich mit der Kampagne starten kann. Lange Gänge, die ins Nichts führen, NPCs, die keinerlei Bedeutung oder Aufgabe haben, und eine Minimap, die manuell aktiviert werden muss und nur einen kleinen Bereich abdeckt. Auftraggeber zu finden wird also schnell zu einem nervigen Suchspiel.

Doch die größte Probe für zarte Nerven sind die Ladezeiten, die nicht nur viel zu lang, sondern vor allem zu häufig sind. Vor Off- wie Onlinekämpfen sind sie noch im akzeptablen Bereich, in der Kampagne sprengen sie jedoch jeden Rahmen.

Beginnt ihr die Mission, wird geladen und ein kurzes Briefing folgt. Dann kommt wieder der Ladebildschirm. Ihr trefft auf euren aktuellen Gegner und sagt ihm, dass er besiegt werden wird. Mehr laden. Es kommt zum Kampf. Verliert ihr und wollt es noch einmal versuchen, muss die Arena erst wieder neu geladen werden. Gewinnt ihr, kommt ebenfalls ein Ladebildschirm. In einer darauf folgenden Sequenz passiert wenig bis nichts, doch muss das Spiel anschließend abermals laden. Ich habe gefühlt mehr Zeit mit dem Ladebildschirm verbracht als mit Kämpfen …

Fazit

Die Steuerung in Jump Force lässt sich schnell erlernen, ist aber für ein derartiges Spiel erstaunlich komplex und benötigt schon eine Menge Zeit und Training, um wirklich beherrscht zu werden. Pures Button-Mashing bringt euch nicht weiter und wer in Onlinekämpfen bestehen möchte, braucht die richtige Mischung aus Know-how und Timing. Das gut funktionierende Kampfsystem wird durch viele spielbare Charaktere und etliche auswählbare Attacken abgerundet. Aufgrund des anfänglich niedrigen Schwierigkeitsgrads ist der Einstieg einfach und dank der Kampagne werdet ihr auf spätere, deutlich anspruchsvollere Kämpfe ausgiebig vorbereitet.

Einzig das ansehnliche Effektgewitter macht dem Spielspaß immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Viele Sequenzen sind zu lang und lassen sich nicht überspringen, außerdem lenkt der Terror auf dem Bildschirm davon ab, die verschiedenen Balken sowie den Gegner ordentlich im Blick zu behalten. Hinzu kommen ein überflüssiger Hub und eine Grafik, die keinen genaueren Blick verdient. Das Artdesign zwischen Realismus und Comicansatz ist zudem gewöhnungsbedürftig.

GamersChoice Wertung

Getestet: Jump Force

Das ist es: Ein Beat Em Up mit über 40 Charakteren aus den Shōnen Jump Universum!

  • Handlung
  • Grafik
  • Sound
  • Gameplay
  • Motivation
  • Multiplayer
3.5

Fazit

Jump Force lässt sich leider nur als mittelmäßig beschreiben. Die Grafik ist gewöhnungsbedürftig, die Steuerung „easy to learn, hard to master“ und die Kampagne eher flach und charmlos. Dazu die langen Ladezeiten, die auch viel zu oft vorkommen! Dennoch für Liebhaber der Charaktere  vielleicht einen Blick wert!

Pros

  • 40 spielbare Charaktere
  • tolle Kampfeffekte
  • solider Charaktereditor
  • komplexes Kampfsystem
  • Kampagne dient als Tutorial
  • leichter bis sehr hoher Schwierigkeitsgrad
  • Multiplayer lokal und online

Cons

  • viele und lange Ladezeiten
  • unübersichtlicher Hub
  • Effektgewitter stört Übersicht in Kämpfen
  • Spezialattacken unterbrechen Kampfgeschehen
  • langweilige, unausgereifte Story
  • nur 13 Arenen
  • teils altbackene Grafik
Über Alexander Wittek 446 Artikel
2012 habe ich es mir zur Aufgabe gemacht meine vielseitigen Erfahrungen nicht nur für mich zu behalten sondern mit euch - den Gamern - zu teilen! Ich spiele seit ich denken kann! Kein Spiel ist vor mir sicher, am liebsten sind mir RPG und Shooter, wie z.B. Destiny, CoD, BF, Mass Effect, Dark Souls, aber auch FIFA und andere Multiplayer-Games halten mich stets bei Laune!

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