Observation – Test

Publisher: Devolver Digital
Release Date: 21.05.2019
Plattformen: PS4, PC

Mehr und mehr Spiele zielen auf das Erzählen einer cleveren sowie anspruchsvollen Geschichte ab. Dabei schielen die Entwickler gerne auf berühmte Buch- und Filmvorlagen, was auch für die Mannen von No Code gilt. Für ihr neuestes Werk Observation haben sie sich einen Klassiker der Kinogeschichte ausgesucht.

Houston, wir haben nicht nur ein Problem!

Es ist einer dieser Tage, in denen nichts so läuft wie geplant: Emma Fisher befindet sich auf der Observation-Raumstation, die 410 km über der Erde schwebt. Plötzlich kommt es zu einem Zwischenfall, wodurch weite Teile der Station ausfallen und Emma weder Kontakt zu den anderen Crewmitgliedern noch zur Erde herstellen kann. Sie schafft es allerdings, den Bordcomputer SAM zu reaktivieren. Mit seiner Hilfe versucht sie, die Ursache des Vorfalls und den Verbleib ihrer Kollegen zu ergründen. Dabei stößt sie auf Mächte, die jenseits ihrer Vorstellungskraft liegen.

Unsere Zusammenfassung ist bewusst wage gehalten, weil die Geschichte von Observation im weiteren Verlauf sehr mysteriöse Züge annimmt. Wohlgemerkt: Ihr übernehmt in diesem Spiel nicht die Rolle von Emma, sondern die der Künstlichen Intelligenz SAM! Emma gibt euch Anweisungen, wie etwa das Überprüfen von Alarmmeldungen, das Aufschließen elektronischer Luken oder das Aktivieren eines ausgefallenen Kühlnetzwerkes, die ihr natürlich mit bestem Gewissen absolviert.

Schnell wird euch klar, dass ihr mehr als ein seelenloser Computer seid und eine zentrale Rolle in der Geschichte einnehmt, die wir natürlich nicht verraten. Nur so viel: Gegen Ende müsst ihr Aufgaben absolvieren, die an das Treiben des berühmt-berüchtigten Computers HAL aus 2001 – Odyssee im Weltraum erinnern.

Auch darüber hinaus strahlt das Spiel ein interessante Atmosphäre aus, die sich sehr an Stanley Kubricks Filmklassiker orientiert. Stellt euch deshalb darauf ein, nicht auf jede Frage eine Antwort zu bekommen.

Learning by doing

Observation bietet freilich mehr als bloß eine interaktive Geschichte, es ist obendrein ein reinrassiges Puzzle-Adventure-Spiel. Das Rätseldesign fällt überraschend gelungen aus und steckt voller leicht verdaulicher Problemstellungen. Ihr erhaltet meist sehr klare Anweisungen und verständliche Hinweise, wie ihr vorgehen sollt. Gleichzeitig müsst ihr ein paar Kleinigkeiten selbst herausfinden und mit einer gesunden Portion Trial & Error diverse Mechanismen erlernen.

Die meiste Zeit seid ihr mit dem Auffinden von wichtigen Dokumenten oder Anleitungen beschäftigt, ohne die ihr einzelne Funktionen der Station nicht bedienen könnt. Beispielsweise benötigt ihr für das Aufschließen einer Luke einen korrekten Schaltplan, der entweder auf einem Laptop gespeichert oder altmodisch auf ein Stück Papier gekritzelt ist.

Leider kommt es bei dieser Art von Rätseln schnell mal vor, dass man eine ganze Weile auf dem Schlauch steht, weil man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, weswegen wir zum Durchspielen von Observation gut eine Stunde mehr benötigten als eigentlich nötig – was bei einer Gesamtdauer von knapp sechs Stunden ein recht großer Anteil ist.

Spieldesign contra Atmosphäre

Zudem kratzt das eine oder andere Rätsel ordentlich an der Stimmung. So werdet ihr mit Ereignissen konfrontiert, die im realen Leben außergewöhnlich viel Druck und Spannung erzeugen würden. In Observation hingegen könnt ihr euch beliebig Zeit lassen und massig Fehlversuche in Kauf nehmen, ohne dass es negative Konsequenzen hat.

Das Gameplay erschwert zudem die Immersion, weil wir uns zu keinem Zeitpunkt wie ein Computer fühlen, der Befehle ausführt. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, Entwickler No Code hätte komplett auf das Rätseldesign verzichtet und dafür einen rein narrativen Walking-Simulator abgeliefert, der sich voll und ganz auf die Atmosphäre konzentriert.

Fescher Sound

Durch die Bank weg gelungen ist die Präsentation, egal ob es die beklemmende, dunkel gehaltene Grafik, die sehr gute englische Sprachausgabe oder die fantastische Soundkulisse betrifft: In der Hinsicht beweist No Code eindrucksvoll, dass es für ein professionell aussehendes Spiel kein Triple-A-Budget braucht.

Fazit

Observation dürfte seine Kritiker und Spieler polarisieren. Die Geschichte ist durchaus spannend konzipiert und hält mit ihren unerklärlichen Mysterien das Interesse bis zum Schluss am Anschlag. Die Parallelen zum Science-Fiction-Klassiker 2001 sind offensichtlich, wenngleich für meinen Geschmack zu verkrampft.

Mir gefällt auch das Rätseldesign. Manch einer mag es zwar als zu seicht empfinden, für mich trifft es aber genau das richtige Maß, bei dem man mit etwas Überlegung und Logik schnell auf eine korrekte Antwort kommt. Observation ist eines jener Adventures, in denen ich ein Stück weit die Regeln selbst herausfinden muss, nach denen es funktioniert.

Umso nervtötender sind solche Rätsel, in denen ich weitgehend ohne Anhaltspunkte wichtige Hinweise suchen soll und dabei vom Spiel vollständig im Regen stehen gelassen werde. Zudem kollidiert die Atmosphäre der Geschichte immer wieder mit dem spielerischen Anspruch: Wahrscheinlich wäre Observation ein noch deutlich besseres Spiel geworden, hätte Entwickler No Code den Fokus noch stärker von den Rätseln weg und rein auf die Geschichte gelegt.

Unterm Strich überwiegen aber die Sympathien. Observation ist ein hübscher, größtenteils gelungen in Szene gesetzter Indie-Titel, der in seiner kurzen Spielzeit ordentlich unterhält und Science-Fiction-Nerds gefallen sollte.

GamersChoice Wertung

Getestet: Observation

Das ist es: Ein Sci-Fi-Mystery-Thriller in dem ihr die Kontrolle der Künstlichen Intelligenz SAM an Bord einer havarierten Raumstation übernimmt.

  • Handlung
  • Grafik
  • Sound
  • Gameplay
  • Motivation
4.6

Fazit

Observation ist ein hübscher, größtenteils gelungen in Szene gesetzter Indie-Titel, der in seiner kurzen Spielzeit ordentlich unterhält und Science-Fiction-Nerds gefallen sollte.

Pros

  • gut geschriebene Geschichte, die bis zum Ende hin interessiert
  • tadellose Präsentation
  • solides Rätseldesign, das größtenteils motiviert

Cons

  • das Rätseldesign kollidiert ab und an mit der Atmosphäre
  • wenige, jedoch nervige Suchrätsel
  • die Illusion, ein Bordcomputer zu sein, funktioniert nur bedingt
Über Alexander Wittek 695 Artikel
2012 habe ich es mir zur Aufgabe gemacht meine vielseitigen Erfahrungen nicht nur für mich zu behalten sondern mit euch - den Gamern - zu teilen! Ich spiele seit ich denken kann! Kein Spiel ist vor mir sicher, am liebsten sind mir RPG und Shooter, wie z.B. Destiny, CoD, BF, Mass Effect, Dark Souls, aber auch FIFA und andere Multiplayer-Games halten mich stets bei Laune!

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